Lesetipps

 

Wenn Ihnen eines der aufgeführten Bücher gefällt, wäre es schön, Sie würden Ihre Buchhandlung vor Ort unterstützen und das Buch dort kaufen.

Hinweis:
Alle Rezensionen sind von mir selbst verfasst worden.

 

 

Franziska Offermann (2016):

Wenn Kollegen trauern. wahrnehmen.verstehen. helfen.

Das Buch ist gefüllt mit vielen Anregungen und Inhalten für die Praxis.

Vor allem das Eingangskapitel über Trauer ist konzentriert, orientierend und vermittelt Basiswissen, zum Beispiel über die verschiedenen Trauermodelle.

Das Lesen des Buches ist mühsam, denn die Autorin bleibt nicht „in der Spur“. Das heißt, es findet unvermittelt immer wieder ein unmarkierter, abrupter Wechsel vom Blick auf Hauptbetroffene eines Todesfalls hin auf das betroffenen (Arbeits-)Umfeld statt. Hier wäre eine besser organisierte Aufbereitung für die interessierte Leserschaft ein Gewinn und würde zu mehr Übersichtlichkeit führen.

Abgesehen von dieser gewissen Unstrukturiertheit des Buches finden sich viele gute und konkrete Hinweise. Als Beispiel seien die Hinweise für ein Kondolenzschreiben genannt. Bedeutsame Hinweise finden sich auch für die Akutsituation – wenngleich über das Buch verstreut.

Mit der Anleitung zu einer Stabilisierungsübung findet sich die Autorin auf der Höhe der Zeit (leider im Anhang versteckt).

Kurzum: ein wirklich reichhaltiges Buch, bei dem jedoch die Orientierungs- und Verknüpfungsarbeit vieler ganz wertvoller Aspekte innerhalb des Buches beim Leser / bei der Leserin hängen bleibt. Selbst für Fachleute keine ganz einfache Anstrengung.

 

 

 

 

Antje Sabine Naegeli (2014):

Schneckenhauszeit. Schutzraum für die Seele

Ermutigend, in einfühlsamen und treffenden Worten – ist dieses Büchle ein Seelenbegleiter für Menschen in schweren Zeiten.

Sicher auch ein passendes Geschenk für Menschen in Krisen, wenn die (eigenen) Worte fehlen. Zugleich eine hilfreiche Beschreibung, wie es betroffenen Menschen geht, was sie brauchen und welcher Schutz, welche Behutsamkeit notwendig ist, um wieder Mut fassen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

Jörg Zink (2015):

Trauer hat heilende Kraft

Das Buch geht in den Dialog mit der Person, die es aufschlägt. Ganz direkt, im dennoch behutsam gehaltenen „Du“-Stil.

Durch die Texte, schön bebildert, dürften sich alle Trauernde angesprochen fühlen, egal welche persönliche Trauerstraße sie bisher gegangen sind.

Der Autor gibt die Zusicherung, dass Trauer sein darf, egal wie lange. Selbst nach Abkehr der Umfeldes, das schon längst wieder auf der „Alltagsspur“ unterwegs ist. Und dasselbe Verhalten von der trauernden Person erwartet.

Jörg Zink weiß und spricht es aus, dass die trauernde Person zwar auf ihrem eigenen Lebensweg steht und dennoch immer wieder auf diejenige Spur blickt, die zum Hinüber, zur verstorbenen Person hin führt. Dort denken die Trauernden sich immer wieder hin, dorthin würden sie vielleicht immer wieder nachsterben wollen.

Und wie umgehen mit möglichen Botschaften? Sei nicht verunsichert und nehme es an, wenn Zeichen des Verstorbenen „von drüben“ kommen, empfiehlt er in einem Text.

Zugleich sieht Jörg Zink die Trauer als eine innere Bindung an unendlich viele Menschen an, die ebenfalls trauern. Und es wird versichert, dass in der Trauer eine größere Innigkeit zu den Verstorbenen nachreifen kann, trotz möglicher Versäumnisse, die im Blick zurück manches Mal schwer lasten mögen.

Das kleine Büchlein ist ein Mosaiksteinchen in dem langgestreckten Weg, den viele Trauernde gehen. Ein Steinchen, dass Teil des Bodens ist, auf dem sich Hoffnung und möglicherweise sogar Heilung finden lassen. Wichtig: Habe Geduld mit Dir selbst, selbst wenn Andere mit Dir nicht immer Geduld und Nachsicht haben.

 

 

Nando Belardi (2013):

Supervision. Grundlagen, Techniken, Perspektiven.
(Taschenbuch)

Nando-Belardi-Supervision-Grundlagen-TechnikenViele, die in den Arbeitsfeldern der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) mitarbeiten möchten, wissen mit dem Begriff ‘Supervision‘ erst einmal nichts oder wenig anzufangen. Das kann zunächst verunsichern, da die regelmäßige Supervision ein Qualitätskriterium der PSNV-Arbeit darstellt. Erfahrene Einsatzkräfte und MitarbeiterInnen aus verschiedenen, vor allem aus sozialen Tätigkeitsbereichen kennen Supervision hingegen oft nur vom direkten Erleben und „Konsumieren“ als TeilnehmerInnen. Die Vielfalt, die Zusammenhänge und die Möglichkeiten der Supervision sind jedoch weniger bekannt.

Das Buch gibt einen sehr kompakten, differenzierten und meist sehr verständlichen Einblick in das Verfahren Supervision. Kurz: Die Supervision ist ein Instrument für die psychosoziale Unterstützung, Begleitung und Reflexion von Arbeitsprozessen. Dabei hat sie das Ziel, die Beziehungen der Menschen untereinander in und bei ihren Tätigkeiten positiv weiterzuentwickeln.

TeilnehmerInnen von Supervision, die sog. SupervisandInnen, erhalten einen tieferen Einblick, „wie ihnen geschieht“ und macht sie zu mündigen, möglicherweise zu (selbst )kritischen Beteiligten einer Supervision.

Konkret: Das Buch beleuchtet historische Bezüge und vermittelt Grundlagen der Supervision. Und dies auf recht wenigen Seiten. Aus meiner Sicht hat das Buch gute Chancen, den LeserInnen die Supervision „schmackhaft“ zu machen – zumal sich Supervision sehr auf die Lösung eines behandelten Themas und auf die Erweiterung von Kompetenzen, z.B. fachlicher Art, ausrichtet.

 

 

Andreas Müller-Cyran und Peter Zehentner (2013):

„Wenn der Tod plötzlich kommt. Vom Umgang mit Schicksalsschlägen
– Das Kriseninterventionsteam im Einsatz“

Müller-Cyran-Zehentner-Wenn der TodBlick frei auf eine Arbeit, die meist im Verborgenen, im ganz privaten Raum stattfindet: Menschen begleiten Menschen, in deren Leben ein Unglück eingebrochen ist. Dieses Unglück hat fast immer mit den Formen des plötzlichen Todes zu tun: beispielsweise mit Suizid, Verkehrsunfall, Plötzlicher Kindstod, Überbringung einer Todesnachricht. Ausgebildete Fachkräfte der Krisenintervention stehen den Betroffenen bei – in den ersten Stunden nach dieser persönlichen Katastrophe. Diese Fachkräfte bleiben für einige Zeit vor Ort, wenn die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr, der Polizei schon längst wieder weggeeilt sind. Sie bleiben zusammen mit den Betroffenen zurück in der Stille des Unfassbaren, stehen ihnen bei.

Müller-Cyran und Zehentner erzählen äußerst spannend und mit einer berührenden Sprache von Einsätzen ihres Münchener Teams. Von Einsätzen, die typisch sind für die Krisenintervention bundesweit. Zugleich gibt es keine Standardeinsätze. Das machen die individuellen Fallgeschichten deutlich.

Auf was es in der Krisenintervention ankommt, wird für fachfremde Leser und Leserinnen verständlich und interessant rübergebracht. Die Frau vom Fach, der Mann vom Fach bekommt hingegen auf lebendige Weise die Lehrinhalte und Vorgehensweisen der Krisenintervention detailliert „am Fall“ dargestellt.

Das Buch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Autoren immer wieder betonen, welche Priorität es im Einsatz hat, mit einer „Anti-Action-Haltung“ vor Ort zu sein. Es geht darum, sich ganz zurücknehmen zu können, sich ausführlich der eigenen Wahrnehmung zu widmen: der Wahrnehmung der Situation, der Betroffenen und deren Bedürfnissen sowie dem eigenen Empfinden als Kriseninterventionsmitarbeiter – nicht nur am Anfang eines Einsatzes. Die Ausgangshaltung für die Einsätze drückt sich folgerichtig in dem Satz aus „Wir sind erst mal nur da.“ Es geht zunächst um das solidarische Mit-Aushalten der Ohnmacht der Betroffenen.
Ziel dieser Krisenintervention ist es, handlungsfähige und entscheidungsfähige Betroffene zurückzulassen, wenn der Einsatz beendet ist. Dazu gehört unter anderem, dass Betroffene sich möglichst von der verstorbenen Person verabschiedet haben und weitere Unterstützung durch das soziale Umfeld bekommen.

All diese wichtige Aspekte der Krisenintervention sind in fesselnde Einsatzgeschichten verpackt. Dem Leser, der Leserin wird dabei deutlich, dass der plötzliche Tod überall lauern kann, niemand davor geschützt ist. Zehentner und Müller-Cyran schildern diese verdrängte Tatsache bei einem Einsatz mit einem Verkehrstoten zum Beispiel auf folgende Weise in einer Situation, in der andere Verkehrsteilnehmer langsam vorbeifahren,: „Dieser Mensch da, der auf dem Asphalt liegt, ist wie ein Stellvertreter für jeden von uns. Ihn hat es heute erwischt. Morgen oder in der nächsten Stunde könnte es mich treffen.“

Beim Lesen fällt auf, dass die Kriseninterventionsmitarbeiter primär alleine in den Einsatz gehen. Jedoch hat es sich mittlerweile bei einer zunehmenden Anzahl von Organisationen als Standard und Anspruch etabliert, dass Mitarbeiter von vornherein zu zweit in den Einsatz gehen. Dies ist zum einen vielen Einsatzsituationen vor Ort geschuldet, zum anderen kommt hierdurch die Fürsorge für die Mitarbeiter selbst zum Ausdruck. Für diejenigen Organisationen, die sich um diese Standards bemühen, leistet das Buch leider keine positive Unterstützung.

Ansonsten fachlich einwandfrei, verwundert an einer Stelle die Deutung eines U- oder S-Bahn-Suizides als finale Befriedigung, als eine letzte Aufwertung der eigenen Person des Suizidanten, weil er damit ein Stück den Verkehr und das Leben vieler anderer ins Stocken bringt. Diese gewagte Interpretation lenkt den Blick weg von der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des Suizidenten – mag der Schaden dieses Suizides für Reisende und andere Betroffene auch sehr groß und ärgerlich sein.

Dennoch ist es ein fachlich sehr gutes und vor allem mitreißendes Buch. Ist ein Fall zu Ende gelesen, kann man es kaum erwarten in den nächsten einzutauchen.

 

 

Robert Schneider (2002):

„Schatten“

Robert-Schneider-SchattenEin Buch, das nicht nur auf Zustimmung trifft. Sind es die berührenden, manchmal aufwühlenden oder provokant erscheinenden Ausführungen über die Liebe und quälende Sehnsucht, die zur Abwehr mancher Leserin, manches Lesers führen?

Robert Schneider spricht Herz und Seele an, erzählt weit unterhalb von Oberflächlichkeiten von Loslassen, verpassten Gelegenheit, leidenschaftlichem Schmerz, Unerfülltheiten des Lebens.

Das Buch spannt einen weiten Bogen. Es gibt einen gar schonungslosen Einblick in das Leben zweier Freundinnen, die sich nach fast 30 Jahren wieder begegnen und miteinander in den Austausch gehen. Ein Auszug:

„>Ja, merkst du denn nicht, dass er dich nicht liebt?<, sagten die Freunde. Sie sagten es aus Wohlwollen, aus Angst um meine Person. Sagten es beinahe zornig und schließlich resigniert. Die gut gemeinten Ratschläge waren umsonst. Und was hätte das schließlich an meiner Liebe geändert? Nichts. Der Liebe ist es egal, ob sie wiedergeliebt wird. Das bekümmert sie nicht. Sie geht auf wie die Sonne. Sie ist wie das Herz, das schlägt oder nicht mehr schlägt.

(…) Heute weiß ich, dass der, den wir lieben, die tiefste und älteste Erinnerung an uns selber wachruft. Die Erinnerung an das älteste Wohlbehagen, als wir an der Brust der Amme einschliefen, an den ältesten Schmerz, als wir weggelegt wurden, vergessen oder verraten und nächtelang durchschrien. Der geliebte Mensch hat nur insofern etwas mit uns zu tun, als er uns Surrogat und Ersatz für die ältesten Freuden und Schmerzen ist, die wir je gekostet haben. Wir meinen nicht wirklich ihn. Wir meinen die Erinnerung an uns.“

Auf die Schatten eines Menschen zu sehen, auf seine Wunde, wenn das alles wegfällt, wie er scheinen möchte – darüber sprechen die beiden Frauen im fernen Australien. Und sind dem Leser auf einmal doch ganz nah.

 

 

Matt Ruff (2012):

„Ich und die anderen.“

Matt Ruff Ich und die anderenKein Wunder, dass das Buch bereits in der „x-ten“ Auflage erscheint. Dennoch erreicht auch diese „x-te“ Auflage nicht die Anzahl der Personen bzw. die Anzahl der Ich-Anteile, die sich innerhalb der Hauptperson des Romans, Andy Gage, befinden. Bekannt ist diese Innenwelt von Andy Cage heutzutage unter dem Begriff der Dissoziative Identitätsstörung (DIS), früher Multiple Persönlichkeitsstörung genannt. Es ist eine schwere psychische Erkrankung, ausgelöst durch massive und lange Jahre andauernde Gewalt.

Zum Roman selbst:
Andy Cage hat es trotz der vielen „Sichtweisen“ in seinem Inneren geschafft, mit seinen inneren Seelen alltagstauglich zusammenzuleben. Dennoch drängen in ihm immer wieder unterschiedliche Persönlichkeiten nach vorne, um Kontrolle über den Körper zu übernehmen. Dabei ist Vieles in humorvoller Weise beschrieben. So weit so gut.

 Aber dann treten eine Vielzahl von Veränderungen in seinem Leben auf, bis hin zu der Begegnung mit Penny Driver, die in ihrem Kopfleben ebenfalls nicht alleine ist. Jetzt gerät Andy’s bisherige Struktur zunehmend durcheinander.

 Irgendwann ist eine behutsame Verwirrung des Lesers, der Leserin perfekt. Fragen entstehen: Kann den Situationen im Buch, die in eindrucksvoller, mitreißender Sprache beschrieben werden, getraut werden? Kann ich als Leser, als Leserin meinen Leseeindrücken trauen?

Überraschend, wie plastisch der Autor einzelne Situationen beschreiben kann. Wie Matt Ruff das, was er beschreibt, dem Leser, der Leserin unter die Haut gehen lässt, wenn er von Erlebnissen erzählt, die den Hauptakteuren „in den Kopf gehen“, bei ihnen neue Persönlichkeitsanteile entstehen lassen. An der Grenze des Aushaltbaren, wenn auslösende, traumatisierende Bedingungen in der Geschichte der Hauptpersonen beschrieben werden.

 Das Buch ist anstößig, regt es doch zum Nachdenken an über die eigenen, möglicherweise sehr unterschiedlichen Rollen, mit denen wir uns durch unseren Alltag „spielen“. Beachten wir genügend die eigenen inneren Stimmen, auch wenn sie vielleicht unangenehm erscheinen möchten? Welche Anteile in uns schieben wir lieber schnell weg? Wo und wann blitzen ganz andere Seiten von uns auf?

Dazu passt der Spruch: „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“ (Edmund Josef von Horváth).

 

 

Håkan Nesser:

„Die Einsamen. Ein Fall für Inspektor Barbarotti.“
(Taschenbuch, auch als Audio-CD mit Dietmar Bär)

Hakan-Nesser-Die-Einsamen-Neues-CoverEine unbeschwerte Sommerreise in den siebziger Jahren. So fängt alles an. Drei Paare aus Uppsala, miteinander befreundet und jung, planen eine Busreise von Schweden durch die Ostblockländer bis ans Schwarze Meer. Aber was so lustig beginnt, endet im Desaster.

Die Wege der Sechs trennen sich nach diesem Urlaub – und kreuzen sich ein Menschenalter später erneut, als ein Dozent aus Lunda in den Wäldern vor Kymlinge am Fuße eines Steilhangs tot aufgefunden wird. Genau an derselben Stelle, an der eine junge Studentin aus Uppsala vor fünfunddreißig Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Sicher einer der spannendsten Bücher von Håkan Nesser. „Jedes Wort sitzt an seinem Platz, die Geschichte wird mit einer Tiefe erzählt, mit einer Sensibilität und Empathie, die nur wenige Krimiautoren erreichen.“ – so schreibt ein Leser.

Das Buch bewegt sich auf zwei Zeitebenen: im Heute und Anfang der 70-er-Jahre.

Inspektor Barbarotti dringt immer weiter in ein Beziehungsgeflecht von sechs Personen ein – mit all den Geheimnissen, tödlichen Wendungen und gescheiterten Lebensentwürfen. Abgründe tun sich auf, wenn traumatisierende Vorfälle einen Lebensweg kreuzen.

Die Leserin / der Leser wird auf einen Tauchgang in das menschliche Innere mitgenommen, wie er spannender nicht sein kann. Nach dem Auftauchen fällt die Orientierung nicht gleich wieder leicht – so intensiv rüttelt das Buch am Lesenden.

 

 

Constanze McKinney:

„Willkommen auf der roten Couch. Von Einer, die Platz nahm, das Fürchten zu verlernen.“

Willkommen auf der roten Couch. Von Einer, die Platz nahm, das Fürchten zu verlernen.Von Einer, die es wagte in eine psychosomatische Klinik zu gehen – und gewann.

Es ist ein großes und kurzes Vergnügen, das Buch zu lesen – schließlich ist es nur 130 Seiten lang und klein. Der wunderschöne Einband umfasst ein Werk, das voll ist mit einer lebendigen und eindringlichen Sprache.

Mit einem Wortwitz und Formulierungen, die Bilder im Kopf des Lesers hüpfen lassen, erzählt die Autorin davon, wie sie sich in einer psychosomatischen Klinik immer tiefer in kleinen Schritten in sich selbst hineinwagte.

Nie macht sie das Beobachtbare (Mitpatienten, Personal, etc.) lächerlich, auch ihre eigenen Probleme nicht. Sie erzählt vom Hineinwachsen in heilsame Prozesse, die den wertschätzenden Umgang mit der eigenen Person beinhalten.

Das ist spannend und anregend. Ein mutiger Weg nach Innen, zugleich ein großer Schritt, auch andere an dieser Erfahrung teilhaben zu lassen.

„Die längste Reise ist die Reise nach Innen“ (Dag Hammarskjöld) – aber selten so kurzweilig, wie in diesem Buch. Ein tolles Geschenk an sich selbst oder andere!

 

 

Claude Anshin Thomas (Neuauflage):

„Krieg beenden, Frieden leben. Ein Soldat überwindet Hass und Gewalt.“

Claude AnShin Thomas - FriedenEin Buch von einem Menschen zu lesen, der hunderte andere Menschen getötet hat, mag zunächst Widerstände wecken. Zumal dieser Mensch dafür – wie viele andere Soldaten auch – vielfach ausgezeichnet wurde.

Zu lesen, wie dieses Töten den „Töter“ selbst zu zerstören beginnt, lässt aufhorchen.

Claude AnShin Thomas berichtet schonungslos offen über seinen Weg, seine eigene Traumatisierung und die Auswirkungen auf sein Leben.

Die Beschreibung wie weit und wie schmerzhaft der Weg von einer Tötungsmaschine hin zu einem Wandermönch ist, macht das Buch zu einer inspirierenden, fesselnden Quelle, die aufzeigt, wie Hass und Gewalt überwunden werden können.

Auch für Menschen, die sich für das Thema Traumatisierung interessieren, wird es anschaulich, wie tief ein Trauma wurzeln kann und welche friedlosen Formen es über Generationen hinweg annehmen kann – jenseits von den vorherrschenden Diagnosekriterien eines Traumas.

Claude AnShin Thomas macht durch sein neues Leben deutlich, dass es Versöhnung nicht billig auf Rezept gibt. Vielmehr ist es ein langer Weg, auf dem zuerst die Verantwortung für sich selbst steht. Die Schuld ist nicht bei den anderen zu suchen. Es geht um die eigene Beteiligung: das Tolerieren von Krieg, Unterdrückung, Rassismus, Machtmissbrauch und Waffenherstellung.

Einfach so ist Frieden nicht zu haben. Der Autor glaubt jedoch an die Veränderungsfähigkeit des Menschen – und ist selbst ein ergreifendes Beispiel dafür.

Ein sehr ansprechendes, zeitlos modernes Buch, das hautnah schildert, wie mit Verwundungen und Verletzlichkeit umgegangen werden kann. Es wundert daher nicht, dass das Buch aufgrund der großen Nachfrage immer wieder neu aufgelegt wird. Derzeit ist es mal wieder nur gebraucht erhältlich!