Wenn Ihnen eines der aufgefĂŒhrten BĂŒcher gefĂ€llt, wĂ€re es schön, Sie wĂŒrden Ihre Buchhandlung vor Ort unterstĂŒtzen und das Buch dort kaufen. Viele lokale Buchhandlungen nehmen telefonische oder online-Bestellungen an, um Ihnen dann die Ware flott nach Hause zu schicken.
Hinweis:
Alle Rezensionen sind von mir selbst verfasst worden.
Jörg A. Wendorff (2020):
SMARTe Zeiten? Wie wir unsere Jugendlichen und uns selbst besser verstehen!

Ein generationenĂŒbergreifendes Buch. Definitiv.
Auch wenn es inhaltlich um die gegenwĂ€rtigen jungen / jĂŒngeren Generationen geht.
Es ist fĂŒr alle Generationen, von den Babyboomern ĂŒber die Generationen X bis zur Generation Z einblicksreich, aufschlussreich, entdeckungsreich. Gut zu lesen sowieso, Dank der anschaulichen und klaren âSchreibeâ des Autors.
AuĂer Zweifel ist das Buch sauber recherchiert und vermittelt ein tieferes VerstĂ€ndnis ĂŒber die jeweiligen Charaktereigenschaften und Dynamiken der verschiedenen Generationen. Das ist hilfreich und richtig. Denn reibt sich nicht jede Generation verwundert die Augen ĂŒber die zum Teil grundverschiedenen, âfremdartigenâ Besonderheiten der jeweils anderen Generationen?
Ganz zu Anfang wird das Wort SMART im Buchtitel aufgeschlĂŒsselt. Es bezieht sich auf die beiden Generationen Y und Z. So viel sei verraten: Der Buchstage M steht fĂŒr Medienaffin.
Das Lesen fÀllt auch deshalb leicht, weil der Leser / die Leserin Lust auf Entdeckungen entwickelt: Welche Fakten, Daten, Belege und Anekdoten kommen als nÀchstes, welches Aha-Erlebnis wird mir beim Lesen auf den kommenden Seiten vermittelt?
Nochmals betont sei, dass das Buch den Scheinwerfer auf die Generationen Y und Z richtet. Dabei ist es kein Erziehungsratgeber, sondern platziert sich auf Augenhöhe. Gerade deshalb ist das Buch attraktiv fĂŒr Eltern und âĂltereâ.
Mit einer Portion MitgefĂŒhl werden ebenso die Nöte heutigen âJungenâ beschrieben, z.B. deren Herausforderungen durch die Vielzahl an Optionen, allein an Studiums- und Ausbildungsrichtungen. Die Qual der Wahl ist hierbei die eine Seite, die VerfĂŒhrung, die getroffene(n) Entscheidung(en) zu hinterfragen bzw. zu bezweifeln, die andere.
An manchen Stellen wird die LektĂŒre auf einmal generationenĂŒbergreifend: Fast jede und jeder kann heutzutage von einem stets spĂŒrbaren Stresslevel berichten, bedingt durch die permanente Erhöhung der Erlebnis-, Informations- und Kontaktdichte, die der Autor beschreibt. Die Kommunikation wird oberflĂ€chlicher, ablenkbarer. Unter anderem wird jegliche Kommunikation zwischen Menschen durch die permanente PrĂ€senz des Smartphones jederzeit von Abbruch âbedrohtâ: Das Smartphone hat höhere PrioritĂ€t als das direkte und persönlichen Vis-Ă -vis mit dem Menschen, der mir gerade gegenĂŒber sitzt oder steht. FĂŒr die jungen Generationen normal, fĂŒr die âalten Generationenâ manchmal noch bedauerlich, da diese noch die unmittelbaren, âechtenâ, nicht stets abbruchbereiten GesprĂ€chs- und Kommunikationssituationen kennen. Auch der Rezensent kann dies an der Entwicklung der GesprĂ€che auf den Rettungswachen im Laufe der Jahre definitiv nachvollziehen. Das Lesen des Buches kann sicherlich dazu anregen, sich mit den modernen Umgangsformen auseinanderzusetzten.
Wendorff, der in der Lehre einer Hochschule tĂ€tig ist, befasst sich natĂŒrlich ebenfalls eingehend mit dem Thema Lernen unter digitalen Rahmenbedingungen. Und hier sind alle jeglichen Alters, die sich weiter- und fortbilden wollen und mĂŒssen, angesprochen und werden informatorisch kompetent bedient. Ebenso im Kapitel ĂŒber Aspekte der Kommunikation fĂŒr ein gelingendes Miteinander.
Letzter Aspekt: Viele sind in Familie, Ausbildung, Studium und Beruf mit autoritĂ€ren Strukturen aufgewachsen. Diese SelbstverstĂ€ndlichkeit von autoritĂ€rer PrĂ€senz durch Eltern, Lehrer, Vorgesetzte gilt fĂŒr die jungen Generationen so nicht mehr. Umso anregender ist das Kapitel, das sich mit dem Konzept der Neuen AutoritĂ€t auseinandersetzt. Die Idee bzw. der Ansatz: Das klassische autoritĂ€re Verhalten ersetzen durch PrĂ€senz und verbindliches Handeln. FĂŒhren und Lehren heiĂt somit, Beziehungsarbeit zu leisten ohne dabei eine Freundschaft anzustreben. Das gilt fĂŒr die Schule, den Betrieb, die Hochschule aber auch fĂŒr Eltern!
Ein kluges Buch eines klugen Autors. Es ist klug, dieses Werk zu lesen.
Elfriede Suhr (2013):

Die Höhle. Schicksal einer Deserteursfamilie.
Ach, wie zauberhaft ist es doch am Fluss Neckar im sĂŒdlichen Baden-WĂŒrttemberg, wo sich Natur und schöne StĂ€dtchen abwechseln. Der Schwarzwald und die westliche SchwĂ€bische Alb sind zum Greifen nah.
Gleichzeitig ist das Obere Neckartal auch ein Tal des Todes, das weltweit im wahrsten Sinne des Wortes seine Giftkugeln verschieĂt: Hier sitzt die weltbekannte Firma Heckler & Koch, ein weltweit fĂŒhrender Hersteller von Handfeuerwaffen. âEuropas tödlichstes Unternehmenâ â wie JĂŒrgen GrĂ€sslin feststellt, www.juergengraesslin.com. Ein Thema und ein dazugehöriger Ort, welches nicht viele Menschen interessiert, sondern lieber verdrĂ€ngt wird.
Persönlich berĂŒhrend wird es jedoch fĂŒr den Leser / die Leserin, wenn auf Einzelschicksale in Kriegszeiten wie mit einer Lupe geschaut wird, auf ZustĂ€nde, in denen Tod und Waffen alltĂ€glich sind. Dies tut die Autorin Elfriede Suhr, die im Alter von 73 Jahren begann, diese wahre Geschichte aus Oberndorf am Neckar und ihre Kindheitserinnerungen daran aufzuschreiben.
Ihr Onkel ist ein Deserteur, verweigert den Kriegsdienst im Nazideutschland. Das wird mit dem Tod bestraft, damals und noch in vielen anderen LĂ€ndern heute. GefĂ€hrlich auch fĂŒr die Angehörigen. Seine Familie versteckt diesen jungen deutschen Soldaten und Deserteur in einer Höhle an einem Steilhang in der NĂ€he von Oberndorf. Drei Jahre lang! Und versorgt ihn unter allergröĂter Lebensgefahr mit allem Notwendigen. Gefahr droht dabei auch von den âMitmenschenâ, Nachbarn etc., die sich gerne der Nazi-Ideologie fĂŒgen und mehr als nur MitlĂ€uferInnen sind. Diese MitbĂŒrgerInnen werden somit eine tödliche Gefahr fĂŒr das Leben dieser mutigen Familie, die dennoch an ihrem Engagement und ihren Ăberzeugungen festhĂ€lt.
Die Sicht der Autorin ist die eines MĂ€dchens auf Ihre Familie wĂ€hrend des zweiten Weltkrieges â eine Familie, die fast nicht beschreibbare Situationen erleben musste. Erlebnisse, die unter einer Glocke von kriegerischer Propaganda und RĂŒstungsproduktion mit all ihren Folgen fĂŒr das persönliche Leben stattfanden. Nicht weniger aktuell im 21. Jahrhundert.
Ein wichtiges, packendes, in seinem Wert fĂŒr die Gegenwart nicht zu ĂŒberbietendes Buch, das weit mehr als eine regionale Bedeutung hat. Es zeigt wie SolidaritĂ€t, wie familiĂ€rer Zusammenhalt Unmögliches möglich macht. Eine wahre Geschichte, in einfacher Sprache, eindringlich und authentisch geschrieben.
Marcel Hildebrandt (2017):
Nur der Wille zÀhlt. Vom Heimkind zum Erzieher.

Der Titel schlÀgt den Bogen, dem das autobiographische Buch folgt.
So nĂŒchtern die Titelzeile klingen mag, so anschaulich ist das Buch geschrieben. Hinter diesen dĂŒrren Titelworten ist eine spannende Lebensgeschichte dokumentiert, eine Geschichte fehlender elterlicher Liebe, heftiger Erlebnisse im Heim und anderswo.
Das Lesen macht nachdenklich. Wo bin ich in meinem eigenen Leben falsch abgebogen? Was hat dazu gefĂŒhrt, dass ich wieder auf die ârichtige Spurâ zurĂŒckkommen durfte? Was hat mich manches Mal vor einem falschen Abbiegen bewahrt, mich geschĂŒtzt? Wie oft ist es in einem einzigen Leben möglich, den falschen Weg einzuschlagen, um wieder psychisch und physisch gesund auf einen guten Weg zurĂŒck zu kommen? Woher kommt Hoffnung, welche Menschen glauben (unerschĂŒtterlich) an mich?
Zwei persönliche (Ăber-)Lebensmittel benennt der Autor unmissverstĂ€ndlich: âmein unbĂ€ndiger Wille und meine unermĂŒdliche Leidenschaft fĂŒr den Sportâ. So entstand letztlich ein geglĂŒckter Lebensentwurf des Autors. Dieser zeigt sich in seiner TĂ€tigkeit als ausgebildeter Erzieher benachteiligter junger Menschen, als Ehemann und Vater. Die Wendungen und Geschichten bis dahin sind in einer einfachen und bewegenden Sprache geschrieben.
Die vielen Fotos machen das Lesen spĂŒrbarer und runden das Buch authentisch ab.
Hanya Yanagihara (2o19):
Ein wenig Leben

Ein Buch, das im GedĂ€chtnis bleibt. Aufgrund des Umfangs habe ich diese LektĂŒre zuĂ€chst hinausgeschoben. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nach wenig Dutzend Seiten kaum mehr aus der Hand legen.
Absolut lesbar, abstoĂend, hoch attraktiv. Ein Beweis erster GĂŒte, was Sprache mit dem Lesenden macht. Das Werk reizt die RĂ€ume aus, welche durch Literatur fĂŒr das innere Auge und die GefĂŒhle des Lesenden eröffnet werden können.
Das Buch erzĂ€hlt die fiktive Geschichte von vier Freunden. Einer des Quartetts verletzt sich körperlich immer wieder selbst. Die Geschichte(n) hinter diesen grausamen Taten gegen die eigene Person kommen Seite fĂŒr Seite immer nĂ€her. Es sollte nicht zu viel verraten werden, aber das Buch ist an AktualitĂ€t nicht zu ĂŒberbieten. Das Buch bietet einen gewagten Blick von Innen auf Traumata, lĂ€sst die furchtbare seelische Schnitttiefe der Entstehungsbedingungen von Traumata erahnen.
Einerseits ein ungeschminkter Einblick in Taten, die Menschen Menschen, in vielfÀltiger Weise, weltweit, antun.
FĂŒr ruhige Stunden, die aber besser immer begrenzt sein sollten und fĂŒr LeserInnen, die gut in der SelbstfĂŒrsorge sein sollten, wenn sie fĂŒr eine Pause das Buch zuklappen.
Julia Seidl, Stefan Rosenboom (2018):
Anni und Alois. Arm sind wir nicht. Ein Bauernleben.
Deutlich ĂŒber 6000 Besucher haben sich seit der Veröffentlichung dieses Buches schon auf den Weg zu diesem Einöd-Bauernhof gemacht.

Echtheit, Arbeit, Arbeit, Arbeit und Bescheidenheit, Einklang mit der Natur lösen wohl Neugierde und Sehnsucht nach diesem Lebensmodell aus. Nicht zu vergessen, dass das Buch auch auf intime Weise ein Beziehungsleben beschreibt, dass die goldene Hochzeitsphase ĂŒberschritten hat und das durch eine einfache, eingespielte und ungeschnörkelte Kommunikation geprĂ€gt ist.
Es ist kein Museumsleben, das die beiden althergebracht leben, sondern eine tiefe SelbstverstĂ€ndlichkeit im Einklang mit dem, was im Moment prĂ€sent ist: dem Wetter, den Tieren, den Pflanzen, den körperlichen Beschwernissen. Das gröĂte Ziel ist dabei die Selbstversorgung mit guten Lebensmitteln, die Freiheit vom kostspieligen Konsum. Beides erfordert viele FĂ€higkeiten, die dieses Buch in anziehender Weise beschreibt.
Das Buch begleitet die beiden ein Jahr lang in allen Jahreszeiten, nicht schönmalerisch, nicht idealisierend. So wie Anni und Alois mit beiden Beinen im Leben stehen â Anni am liebsten ganz barfuĂ. Schuhe mag sie ĂŒberhaupt nicht. Nur ein Raum wird beheizt.
Begleitet wird die Autorin von einem Fotografen, der berĂŒhrende Bilder beisteuert, die beim Lesen den Blick andĂ€chtig zur Ruhe kommen lassen.
Diese jahrzehntelange ZurĂŒckgezogenheit mit wenig Anbindung an das, was wir âmoderneâ Menschen Leben nennen, verursacht keine Abwendung von anderen Menschen. Im Gegenteil: Anni lebt eine erstaunliche Offenheit und Gastfreundschaft, teilt ihr Wissen und ihre Lebensweisheit bereitwillig mit.
Spenden statt kaufen:
Claudia Croos-MĂŒller (2017): Alles gut. Das …
Dies ist keine Kaufempfehlung, sondern leider das Gegenteil!
Das Buch (3. Auflage) ist schlampig gemacht. Das muss ich leider nach sehr genauem Hinsehen so ausdrĂŒcken.

Beispiele hierfĂŒr gefĂ€llig?
Wohlweislich wird keine Zielgruppe bzw. Altersgruppe erwĂ€hnt, fĂŒr die dieses Buch bestimmt sein soll – weder im Einband, noch im Inhaltsverzeichnis, noch in der EinfĂŒhrung ab S. 3. Es wird jedoch durch die Aufmachung der Eindruck erweckt, dass es fĂŒr Kinder sein könnte: mit sĂŒĂ gezeichneten Schafen, bunter Gestaltung, der Du-Ansprache des Lesers / der Leserin.
Nirgendwo findet sich der eigentlich bitternötige Hinweis, dass Erwachsene das Buch zusammen mit den Kindern lesen sollten â schon aufgrund der komplexen Sprache und der Fremdwörter wie auf S. 8 (s.u.).
Es gibt Begriffe, die nicht unmittelbar erklĂ€rt bzw. ĂŒbersetzt werden, z.B. âBody2Brain-ccm-Methodeâ (S. 4), EMDR â Eye Movement Desensitization and Reprocessing auf S. 5 (wird nicht direkt ĂŒbersetzt und entsprechend erlĂ€utert) oder der Begriff des Traumas, obwohl dieser auf dem Einband auftaucht.
Gleiches gilt fĂŒr die Begriffe âself-efficacyâ, den âCarpenter- und Kohnstamm-Effektâ auf S. 10 + 39, âpsychomentale Reaktionenâ und âDissoziationâ auf S. 14. Ebenso ist die ErlĂ€uterung in nur neun Wörtern zum sog. âInneren Kindâ nicht hinreichend (S. 15).
Was ist der der âEMDR-Effektâ auf S. 23? Woher soll das Kind ohne ErklĂ€rung wissen, was Endorphine und was antidepressive Hormone (S. 25) sind â oder der âTranquilizer-Effektâ auf S. 29 und âEmotionsarealeâ auf S. 41?
Anhand der hier zitierten Begriffe, die sozusagen im Nebulösen verbleiben, kann der Leser bzw. die Leserin dieser Rezension bereits ein GefĂŒhl dafĂŒr bekommen, ob es wirklich ein Buch fĂŒr Kinder sein kann.
Bereits auf S. 6 (!) erfolgt der Hinweis in unverhĂŒllter, verkaufsfördernder Absicht: âUnd als Geschenk fĂŒr Deine Freunde ist dieses Buch vielleicht auch eine groĂe Lebenshilfe â gleich oder irgendwann.â
Sollte das Buch tatsĂ€chlich Kinder als Zielgruppe haben, könnte es Mitmenschen / Eltern geben, die diesen sehr frĂŒhen Hinweis als unverschĂ€mt und rein an finanziellen Interessen orientiert bezeichnen. Dieser Eindruck könnte ihnen nicht verĂŒbelt werdenâŠ
Auf S. 8 befindet sich eine Abbildung: Hier wird es auf dieser und der folgenden Seite nun ganz verworren. Zwei von sechs Begriffen, die in der Grafik auftauchen, werden im dazugehörigen Text nicht mehr aufgegriffen und erlĂ€utert (Thalamus und Hippocampus). Im Text taucht jedoch der Begriff âZwischenhirnâ auf. Hier frĂ€gt sich das Kind sicherlich, wo sich das Zwischenhirn denn auf der Abbildung wiederfinden lĂ€sst. Leider nirgends.
Ich bekomme den Eindruck nicht richtig los, dass das Buch vor allem der Kapitalvermehrung dient â ohne wirklich an der Zielgruppe (an welcher denn, s.o.?) und an grĂŒndlichem und sauberem Arbeiten interessiert zu sein.
So tĂ€uscht das möglichst sĂŒĂ und rĂŒhrend illustrierte Ă€uĂere Erscheinungsbild des Buches: Die marketingmĂ€Ăige gute Aufmachung und die QualitĂ€t des Inhaltes klaffen erschreckend weit auseinander.
Ich bin wohlgesonnen an die LektĂŒre dieses BĂŒchleins herangegangen und es fĂ€llt mir absolut nicht leicht, mehr wie kritisch ĂŒber dieses Buch zu berichten.
Dennoch sei abschlieĂend vermerkt: Das Buch erweckt den Anschein, dass es vor allem dem Eigeninteresse der Autorin und dem Eigenmarketing dient.
Ich denke, dass diese Erkenntnis durch meine AusfĂŒhrungen gut begrĂŒndet ist. Die LektĂŒre des Buches macht als Erwachsener fassungslos, wĂ€hrend es Kinder verstĂ€ndnislos zurĂŒcklassen kann.
Daher die Empfehlung: Das Geld, das Sie vielleicht fĂŒr den Kauf dieses Buch bereitgehalten haben, ist als Spende fĂŒr Organisationen, die Kinder in schwierigen Lagen unterstĂŒtzen, sicherlich besser aufgehoben.
Franziska Offermann (2016):
Wenn Kollegen trauern. wahrnehmen.verstehen. helfen.
Das Buch ist gefĂŒllt mit vielen Anregungen und Inhalten fĂŒr die Praxis.

Vor allem das Eingangskapitel ĂŒber Trauer ist konzentriert, orientierend und vermittelt Basiswissen, zum Beispiel ĂŒber die verschiedenen Trauermodelle.
Das Lesen des Buches ist mĂŒhsam, denn die Autorin bleibt nicht âin der Spurâ. Das heiĂt, es findet unvermittelt immer wieder ein unmarkierter, abrupter Wechsel vom Blick auf Hauptbetroffene eines Todesfalls hin auf das betroffenen (Arbeits-)Umfeld statt. Hier wĂ€re eine besser organisierte Aufbereitung fĂŒr die interessierte Leserschaft ein Gewinn und wĂŒrde zu mehr Ăbersichtlichkeit fĂŒhren.
Abgesehen von dieser gewissen Unstrukturiertheit des Buches finden sich viele gute und konkrete Hinweise. Als Beispiel seien die Hinweise fĂŒr ein Kondolenzschreiben genannt. Bedeutsame Hinweise finden sich auch fĂŒr die Akutsituation â wenngleich ĂŒber das Buch verstreut.
Mit der Anleitung zu einer StabilisierungsĂŒbung findet sich die Autorin auf der Höhe der Zeit (leider im Anhang versteckt).
Kurzum: ein wirklich reichhaltiges Buch, bei dem jedoch die Orientierungs- und VerknĂŒpfungsarbeit vieler ganz wertvoller Aspekte innerhalb des Buches beim Leser / bei der Leserin hĂ€ngen bleibt. Selbst fĂŒr Fachleute keine ganz einfache Anstrengung.
Antje Sabine Naegeli (2014):
Schneckenhauszeit. Schutzraum fĂŒr die Seele

Ermutigend, in einfĂŒhlsamen und treffenden Worten – ist dieses BĂŒchle ein Seelenbegleiter fĂŒr Menschen in schweren Zeiten.
Sicher auch ein passendes Geschenk fĂŒr Menschen in Krisen, wenn die (eigenen) Worte fehlen. Zugleich eine hilfreiche Beschreibung, wie es betroffenen Menschen geht, was sie brauchen und welcher Schutz, welche Behutsamkeit notwendig ist, um wieder Mut fassen zu können.
Jörg Zink (2015):
Trauer hat heilende Kraft

Das Buch geht in den Dialog mit der Person, die es aufschlĂ€gt. Ganz direkt, im dennoch behutsam gehaltenen âDuâ-Stil.
Durch die Texte, schön bebildert, dĂŒrften sich alle Trauernde angesprochen fĂŒhlen, egal welche persönliche TrauerstraĂe sie bisher gegangen sind.
Der Autor gibt die Zusicherung, dass Trauer sein darf, egal wie lange. Selbst nach Abkehr der Umfeldes, das schon lĂ€ngst wieder auf der âAlltagsspurâ unterwegs ist – und dasselbe Verhalten von der trauernden Person erwartet.
Jörg Zink weiĂ und spricht es aus, dass die trauernde Person zwar auf ihrem eigenen Lebensweg steht und dennoch immer wieder auf diejenige Spur blickt, die zum HinĂŒber, zur verstorbenen Person hin fĂŒhrt. Dort denken die Trauernden sich immer wieder hin, dorthin wĂŒrden sie vielleicht immer wieder nachsterben wollen.
Und wie umgehen mit möglichen Botschaften? Sei nicht verunsichert und nehme es an, wenn Zeichen des Verstorbenen âvon drĂŒbenâ kommen, empfiehlt er in einem Text.
Zugleich sieht Jörg Zink die Trauer als eine innere Bindung an unendlich viele Menschen an, die ebenfalls trauern. Und es wird versichert, dass in der Trauer eine gröĂere Innigkeit zu den Verstorbenen nachreifen kann, trotz möglicher VersĂ€umnisse, die im Blick zurĂŒck manches Mal schwer lasten mögen.
Das kleine BĂŒchlein ist ein Mosaiksteinchen in dem langgestreckten Weg, den viele Trauernde gehen. Ein Steinchen, dass Teil des Bodens ist, auf dem sich Hoffnung und möglicherweise sogar Heilung finden lassen. Wichtig: Habe Geduld mit Dir selbst, selbst wenn Andere mit Dir nicht immer Geduld und Nachsicht haben.
Nando Belardi (2013):
Supervision. Grundlagen, Techniken, Perspektiven.
(Taschenbuch)

Viele, die in den Arbeitsfeldern der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) mitarbeiten möchten, wissen mit dem Begriff âSupervisionâ erst einmal nichts oder wenig anzufangen. Das kann zunĂ€chst verunsichern, da die regelmĂ€Ăige Supervision ein QualitĂ€tskriterium der PSNV-Arbeit darstellt. Erfahrene EinsatzkrĂ€fte und MitarbeiterInnen aus verschiedenen, vor allem aus sozialen TĂ€tigkeitsbereichen kennen Supervision hingegen oft nur vom direkten Erleben und âKonsumierenâ als TeilnehmerInnen. Die Vielfalt, die ZusammenhĂ€nge und die Möglichkeiten der Supervision sind jedoch weniger bekannt.
Das Buch gibt einen sehr kompakten, differenzierten und meist sehr verstĂ€ndlichen Einblick in das Verfahren Supervision. Kurz: Die Supervision ist ein Instrument fĂŒr die psychosoziale UnterstĂŒtzung, Begleitung und Reflexion von Arbeitsprozessen. Dabei hat sie das Ziel, die Beziehungen der Menschen untereinander in und bei ihren TĂ€tigkeiten positiv weiterzuentwickeln.
TeilnehmerInnen von Supervision, die sog. SupervisandInnen, erhalten einen tieferen Einblick, âwie ihnen geschiehtâ und macht sie zu mĂŒndigen, möglicherweise zu (selbst )kritischen Beteiligten einer Supervision.
Konkret: Das Buch beleuchtet historische BezĂŒge und vermittelt Grundlagen der Supervision. Und dies auf recht wenigen Seiten. Aus meiner Sicht hat das Buch gute Chancen, den LeserInnen die Supervision âschmackhaftâ zu machen â zumal sich Supervision sehr auf die Lösung eines behandelten Themas und auf die Erweiterung von Kompetenzen, z.B. fachlicher Art, ausrichtet.
Andreas MĂŒller-Cyran und Peter Zehentner (2013):
âWenn der Tod plötzlich kommt. Vom Umgang mit SchicksalsschlĂ€gen
â Das Kriseninterventionsteam im Einsatzâ (ggf. derzeit vergriffen)

Blick frei auf eine Arbeit, die meist im Verborgenen, im ganz privaten Raum stattfindet: Menschen begleiten Menschen, in deren Leben ein UnglĂŒck eingebrochen ist. Dieses UnglĂŒck hat fast immer mit den Formen des plötzlichen Todes zu tun: beispielsweise mit Suizid, Verkehrsunfall, Plötzlicher Kindstod, Ăberbringung einer Todesnachricht. Ausgebildete FachkrĂ€fte der Krisenintervention stehen den Betroffenen bei â in den ersten Stunden nach dieser persönlichen Katastrophe. Diese FachkrĂ€fte bleiben fĂŒr einige Zeit vor Ort, wenn die EinsatzkrĂ€fte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr, der Polizei schon lĂ€ngst wieder weggeeilt sind. Sie bleiben zusammen mit den Betroffenen zurĂŒck in der Stille des Unfassbaren, stehen ihnen bei.
MĂŒller-Cyran und Zehentner erzĂ€hlen Ă€uĂerst spannend und mit einer berĂŒhrenden Sprache von EinsĂ€tzen ihres MĂŒnchener Teams. Von EinsĂ€tzen, die typisch sind fĂŒr die Krisenintervention bundesweit. Zugleich gibt es keine StandardeinsĂ€tze. Das machen die individuellen Fallgeschichten deutlich.
Auf was es in der Krisenintervention ankommt, wird fĂŒr fachfremde Leser und Leserinnen verstĂ€ndlich und interessant rĂŒbergebracht. Die Frau vom Fach, der Mann vom Fach bekommt hingegen auf lebendige Weise die Lehrinhalte und Vorgehensweisen der Krisenintervention detailliert âam Fallâ dargestellt.
Das Buch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Autoren immer wieder betonen, welche PrioritĂ€t es im Einsatz hat, mit einer âAnti-Action-Haltungâ vor Ort zu sein. Es geht darum, sich ganz zurĂŒcknehmen zu können, sich ausfĂŒhrlich der eigenen Wahrnehmung zu widmen: der Wahrnehmung der Situation, der Betroffenen und deren BedĂŒrfnissen sowie dem eigenen Empfinden als Kriseninterventionsmitarbeiter â nicht nur am Anfang eines Einsatzes. Die Ausgangshaltung fĂŒr die EinsĂ€tze drĂŒckt sich folgerichtig in dem Satz aus âWir sind erst mal nur da.â Es geht zunĂ€chst um das solidarische Mit-Aushalten der Ohnmacht der Betroffenen.
Ziel dieser Krisenintervention ist es, handlungsfĂ€hige und entscheidungsfĂ€hige Betroffene zurĂŒckzulassen, wenn der Einsatz beendet ist. Dazu gehört unter anderem, dass Betroffene sich möglichst von der verstorbenen Person verabschiedet haben und weitere UnterstĂŒtzung durch das soziale Umfeld bekommen.
All diese wichtige Aspekte der Krisenintervention sind in fesselnde Einsatzgeschichten verpackt. Dem Leser, der Leserin wird dabei deutlich, dass der plötzliche Tod ĂŒberall lauern kann, niemand davor geschĂŒtzt ist. Zehentner und MĂŒller-Cyran schildern diese verdrĂ€ngte Tatsache bei einem Einsatz mit einem Verkehrstoten zum Beispiel auf folgende Weise in einer Situation, in der andere Verkehrsteilnehmer langsam vorbeifahren,: âDieser Mensch da, der auf dem Asphalt liegt, ist wie ein Stellvertreter fĂŒr jeden von uns. Ihn hat es heute erwischt. Morgen oder in der nĂ€chsten Stunde könnte es mich treffen.â
Beim Lesen fĂ€llt auf, dass die Kriseninterventionsmitarbeiter primĂ€r alleine in den Einsatz gehen. Jedoch hat es sich mittlerweile bei einer zunehmenden Anzahl von Organisationen als Standard und Anspruch etabliert, dass Mitarbeiter von vornherein zu zweit in den Einsatz gehen. Dies ist zum einen vielen Einsatzsituationen vor Ort geschuldet, zum anderen kommt hierdurch die FĂŒrsorge fĂŒr die Mitarbeiter selbst zum Ausdruck. FĂŒr diejenigen Organisationen, die sich um diese Standards bemĂŒhen, leistet das Buch leider keine positive UnterstĂŒtzung.
Ansonsten fachlich einwandfrei, verwundert an einer Stelle die Deutung eines U- oder S-Bahn-Suizides als finale Befriedigung, als eine letzte Aufwertung der eigenen Person des Suizidanten, weil er damit ein StĂŒck den Verkehr und das Leben vieler anderer ins Stocken bringt. Diese gewagte Interpretation lenkt den Blick weg von der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des Suizidenten â mag der Schaden dieses Suizides fĂŒr Reisende und andere Betroffene auch sehr groĂ und Ă€rgerlich sein.
Dennoch ist es ein fachlich sehr gutes und vor allem mitreiĂendes Buch. Ist ein Fall zu Ende gelesen, kann man es kaum erwarten in den nĂ€chsten einzutauchen.
Robert Schneider (2002):
âSchattenâ

Ein Buch, das nicht nur auf Zustimmung trifft. Sind es die berĂŒhrenden, manchmal aufwĂŒhlenden oder provokant erscheinenden AusfĂŒhrungen ĂŒber die Liebe und quĂ€lende Sehnsucht, die zur Abwehr mancher Leserin, manches Lesers fĂŒhren?
Robert Schneider spricht Herz und Seele an, erzĂ€hlt weit unterhalb von OberflĂ€chlichkeiten von Loslassen, verpassten Gelegenheit, leidenschaftlichem Schmerz, UnerfĂŒlltheiten des Lebens.
Das Buch spannt einen weiten Bogen. Es gibt einen gar schonungslosen Einblick in das Leben zweier Freundinnen, die sich nach fast 30 Jahren wieder begegnen und miteinander in den Austausch gehen. Ein Auszug:
â>Ja, merkst du denn nicht, dass er dich nicht liebt?<, sagten die Freunde. Sie sagten es aus Wohlwollen, aus Angst um meine Person. Sagten es beinahe zornig und schlieĂlich resigniert. Die gut gemeinten RatschlĂ€ge waren umsonst. Und was hĂ€tte das schlieĂlich an meiner Liebe geĂ€ndert? Nichts. Der Liebe ist es egal, ob sie wiedergeliebt wird. Das bekĂŒmmert sie nicht. Sie geht auf wie die Sonne. Sie ist wie das Herz, das schlĂ€gt oder nicht mehr schlĂ€gt.
(âŠ) Heute weiĂ ich, dass der, den wir lieben, die tiefste und Ă€lteste Erinnerung an uns selber wachruft. Die Erinnerung an das Ă€lteste Wohlbehagen, als wir an der Brust der Amme einschliefen, an den Ă€ltesten Schmerz, als wir weggelegt wurden, vergessen oder verraten und nĂ€chtelang durchschrien. Der geliebte Mensch hat nur insofern etwas mit uns zu tun, als er uns Surrogat und Ersatz fĂŒr die Ă€ltesten Freuden und Schmerzen ist, die wir je gekostet haben. Wir meinen nicht wirklich ihn. Wir meinen die Erinnerung an uns.â
Auf die Schatten eines Menschen zu sehen, auf seine Wunde, wenn das alles wegfĂ€llt, wie er scheinen möchte – darĂŒber sprechen die beiden Frauen im fernen Australien. Und sind dem Leser auf einmal doch ganz nah.
Matt Ruff (2017):
âIch und die anderen.â

Kein Wunder, dass das Buch bereits in der âx-tenâ Auflage erscheint. Dennoch erreicht auch diese „x-te“ Auflage nicht die Anzahl der Personen bzw. die Anzahl der Ich-Anteile, die sich innerhalb der Hauptperson des Romans, Andy Gage, befinden. Bekannt ist diese Innenwelt von Andy Cage heutzutage unter dem Begriff der Dissoziative IdentitĂ€tsstörung (DIS), frĂŒher Multiple Persönlichkeitsstörung genannt. Es ist eine schwere psychische Erkrankung, ausgelöst durch massive und lange Jahre andauernde Gewalt.
Zum Roman selbst:
Andy Cage hat es trotz der vielen âSichtweisenâ in seinem Inneren geschafft, mit seinen inneren Seelen alltagstauglich zusammenzuleben. Dennoch drĂ€ngen in ihm immer wieder unterschiedliche Persönlichkeiten nach vorne, um Kontrolle ĂŒber den Körper zu ĂŒbernehmen. Dabei ist Vieles in humorvoller Weise beschrieben. So weit so gut.
Aber dann treten eine Vielzahl von VerĂ€nderungen in seinem Leben auf, bis hin zu der Begegnung mit Penny Driver, die in ihrem Kopfleben ebenfalls nicht alleine ist. Jetzt gerĂ€t Andyâs bisherige Struktur zunehmend durcheinander.
Irgendwann ist eine behutsame Verwirrung des Lesers, der Leserin perfekt. Fragen entstehen: Kann den Situationen im Buch, die in eindrucksvoller, mitreiĂender Sprache beschrieben werden, getraut werden? Kann ich als Leser, als Leserin meinen LeseeindrĂŒcken trauen?
Ăberraschend, wie plastisch der Autor einzelne Situationen beschreiben kann. Wie Matt Ruff das, was er beschreibt, dem Leser, der Leserin unter die Haut gehen lĂ€sst, wenn er von Erlebnissen erzĂ€hlt, die den Hauptakteuren âin den Kopf gehenâ, bei ihnen neue Persönlichkeitsanteile entstehen lassen. An der Grenze des Aushaltbaren, wenn auslösende, traumatisierende Bedingungen in der Geschichte der Hauptpersonen beschrieben werden.
Das Buch ist anstöĂig, regt es doch zum Nachdenken an ĂŒber die eigenen, möglicherweise sehr unterschiedlichen Rollen, mit denen wir uns durch unseren Alltag âspielenâ. Beachten wir genĂŒgend die eigenen inneren Stimmen, auch wenn sie vielleicht unangenehm erscheinen möchten? Welche Anteile in uns schieben wir lieber schnell weg? Wo und wann blitzen ganz andere Seiten von uns auf?
Dazu passt der Spruch: âEigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.â (Edmund Josef von HorvĂĄth).
HÄkan Nesser:
âDie Einsamen. Ein Fall fĂŒr Inspektor Barbarotti.â
(Taschenbuch, auch als Audio-CD mit Dietmar BĂ€r)

„Eine unbeschwerte Sommerreise in den siebziger Jahren. So fĂ€ngt alles an. Drei Paare aus Uppsala, miteinander befreundet und jung, planen eine Busreise von Schweden durch die OstblocklĂ€nder bis ans Schwarze Meer. Aber was so lustig beginnt, endet im Desaster.
Die Wege der Sechs trennen sich nach diesem Urlaub â und kreuzen sich ein Menschenalter spĂ€ter erneut, als ein Dozent aus Lunda in den WĂ€ldern vor Kymlinge am FuĂe eines Steilhangs tot aufgefunden wird. Genau an derselben Stelle, an der eine junge Studentin aus Uppsala vor fĂŒnfunddreiĂig Jahren unter mysteriösen UmstĂ€nden ums Leben kam.“
Sicher einer der spannendsten BĂŒcher von HĂ„kan Nesser. âJedes Wort sitzt an seinem Platz, die Geschichte wird mit einer Tiefe erzĂ€hlt, mit einer SensibilitĂ€t und Empathie, die nur wenige Krimiautoren erreichen.â â so schreibt ein Leser.
Das Buch bewegt sich auf zwei Zeitebenen: im Heute und Anfang der 70-er-Jahre.
Inspektor Barbarotti dringt immer weiter in ein Beziehungsgeflecht von sechs Personen ein â mit all den Geheimnissen, tödlichen Wendungen und gescheiterten LebensentwĂŒrfen. AbgrĂŒnde tun sich auf, wenn traumatisierende VorfĂ€lle einen Lebensweg kreuzen.
Die Leserin / der Leser wird auf einen Tauchgang in das menschliche Innere mitgenommen, wie er spannender nicht sein kann. Nach dem Auftauchen fĂ€llt die Orientierung nicht gleich wieder leicht â so intensiv rĂŒttelt das Buch am Lesenden.
Constanze McKinney:
âWillkommen auf der roten Couch. Von Einer, die Platz nahm, das FĂŒrchten zu verlernen.â
(Leider nur noch schwer zu bekommen. Bei Interesse schreiben Sie mich an – siehe unter Kontakt)

Von Einer, die es wagte in eine psychosomatische Klinik zu gehen â und gewann.
Es ist ein groĂes und kurzes VergnĂŒgen, das Buch zu lesen â schlieĂlich ist es nur 130 Seiten lang und klein. Der wunderschöne Einband umfasst ein Werk, das voll ist mit einer lebendigen und eindringlichen Sprache.
Mit einem Wortwitz und Formulierungen, die Bilder im Kopf des Lesers hĂŒpfen lassen, erzĂ€hlt die Autorin davon, wie sie sich in einer psychosomatischen Klinik immer tiefer in kleinen Schritten in sich selbst hineinwagte.
Nie macht sie das Beobachtbare (Mitpatienten, Personal, etc.) lÀcherlich, auch ihre eigenen Probleme nicht. Sie erzÀhlt vom Hineinwachsen in heilsame Prozesse, die den wertschÀtzenden Umgang mit der eigenen Person beinhalten.
Das ist spannend und anregend. Ein mutiger Weg nach Innen, zugleich ein groĂer Schritt, auch andere an dieser Erfahrung teilhaben zu lassen.
âDie lĂ€ngste Reise ist die Reise nach Innenâ (Dag Hammarskjöld) â aber selten so kurzweilig, wie in diesem Buch. Ein tolles Geschenk an sich selbst oder andere!
Claude Anshin Thomas (Neuauflage):
âKrieg beenden, Frieden leben. Ein Soldat ĂŒberwindet Hass und Gewalt.â

Ein Buch von einem Menschen zu lesen, der hunderte andere Menschen getötet hat, mag zunĂ€chst WiderstĂ€nde wecken. Zumal dieser Mensch dafĂŒr â wie viele andere Soldaten auch â vielfach ausgezeichnet wurde.
Zu lesen, wie dieses Töten den âTöterâ selbst zu zerstören beginnt, lĂ€sst aufhorchen.
Claude AnShin Thomas berichtet schonungslos offen ĂŒber seinen Weg, seine eigene Traumatisierung und die Auswirkungen auf sein Leben.
Die Beschreibung wie weit und wie schmerzhaft der Weg von einer Tötungsmaschine hin zu einem Wandermönch ist, macht das Buch zu einer inspirierenden, fesselnden Quelle, die aufzeigt, wie Hass und Gewalt ĂŒberwunden werden können.
Auch fĂŒr Menschen, die sich fĂŒr das Thema Traumatisierung interessieren, wird es anschaulich, wie tief ein Trauma wurzeln kann und welche friedlosen Formen es ĂŒber Generationen hinweg annehmen kann â jenseits von den vorherrschenden Diagnosekriterien eines Traumas.
Claude AnShin Thomas macht durch sein neues Leben deutlich, dass es Versöhnung nicht billig auf Rezept gibt. Vielmehr ist es ein langer Weg, auf dem zuerst die Verantwortung fĂŒr sich selbst steht. Die Schuld ist nicht bei den anderen zu suchen. Es geht um die eigene Beteiligung: das Tolerieren von Krieg, UnterdrĂŒckung, Rassismus, Machtmissbrauch und Waffenherstellung.
Einfach so ist Frieden nicht zu haben. Der Autor glaubt jedoch an die VerĂ€nderungsfĂ€higkeit des Menschen â und ist selbst ein ergreifendes Beispiel dafĂŒr.
Ein sehr ansprechendes, zeitlos modernes Buch, das hautnah schildert, wie mit Verwundungen und Verletzlichkeit umgegangen werden kann. Es wundert daher nicht, dass das Buch aufgrund der groĂen Nachfrage immer wieder neu aufgelegt wird.